HeliA Paula Kleinhans

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HeliA Paula Kleinhans arbeitet als Heilpraktikerin und Moon Mother*. Sie ist Womb Blessing Länderkoordinatorin für Deutschland, Österreich und die deutschsprachige Schweiz. Ihre Praxis wirkt auf mich, wie eine nährende Oase mitten im kühlen Frankfurt. Hier begleitet sie Frauen in Einzelsitzungen und bietet Frauengruppen und Lifedancing-Events an. 

fragdiefrau: Wie bist du zu deiner Arbeit mit Frauen und zum Womb Blessing gekommen?

HeliA: Das Womb Blessing habe ich indirekt kennengelernt, als ich auf einem Retreat auf Korfu war. Eine Frau erzählte mir davon, die selbst Moon Mother war. Es hat aber noch ein Jahr gedauert, bis ich mir das Buch gekauft habe. Dann habe ich ein halbes Jahr gebraucht, bis ich es gelesen habe und dann stand ich in Flammen. *lacht* Da hat es mich total mitgerissen und so bin ich 2014 nach Wien gefahren und habe am Moon Mother Training teilgenommen. Ich dachte noch so „Ach, brauchst du das?“ Man hat ja schon viel gelernt. Doch das war ein absoluter Wandel in meinem Leben. Von Stund an habe ich mich nicht mehr allein und genährt gefühlt. Und ich habe eine so tiefe Verbindung zum Weiblichen gespürt, zu dieser Stimme in mir, die mich geleitet hat. Dinge die mich vorher erschöpft haben oder Dinge, die ich mich vorher nicht getraut habe, spielten plötzlich keine Rolle mehr.

fragdiefrau: Zum Beispiel?

HeliA: Ich habe zum Beispiel Miranda Gray gefragt, ob sie Lust hat für einen Workshop nach Frankfurt zu kommen. Sie hat „Ja“ gesagt und dann ging es los. Nach neun Monaten war sie hier. Wie ein Geburtsprozess. Wir saßen hier in der Praxis mit sechsunddreißig Frauen und ich war sehr sehr berührt, weil die Vision Realität wurde. Die Frauen haben ihre sogenannte Initiation zur Moon Mother bekommen. Eine Ausbildung, wie sie die Techniken anwenden können und viele Informationen darüber, worauf zu achten ist in der Beratung für Frauen. Was sich bei ihnen innerhalb von zwei Tagen verändert hat! Sie waren zentriert, bei sich, in ihrer Kraft, sie waren schön und weich. Mir sind zwischendurch die Tränen gelaufen, weil ich dachte, es gibt Möglichkeiten sich als Frau feminin zu bewegen in dieser Welt.

fragdiefrau: Was meinst du mit „sich feminin bewegen“?

HeliA: Wir leben in einer maskulin dominanteren Welt. Es gibt Ziele, Zeitpläne, eine lineare Ausrichtung. Anforderungen an höher, schneller, weiter, besser. Das Feminine funktioniert so nicht. Es ist nicht linear. Es lebt in Rhythmen, im Kreislauf, in Wellenbewegungen, die wiederkommen und doch anders sein können. Ich muss mich nicht anpassen an diese Welt und ich muss mich nicht in eine Form quetschen, in so ein Förmchen hinein, das immer wieder überläuft. *lacht* Ich kann meine Ziele erreichen. Ich kann absolut effektiv arbeiten, kreativ sein und ich habe viel Kraft, wenn ich mich in Balance halte, wenn ich mich auch zurückziehe, mir auch Pausen gönne.

fragdiefrau: Miranda schreibt in ihrem Buch „Roter Mond“ über die vier Phasen des weiblichen Zyklus. Wie unterstützen dich die Zyklusphasen dabei, deine Ziele zu erreichen?

HeliA: Ich studiere meinen eigenen Zyklus und wende das Wissen darauf an. Es gibt, wie die vier Mondphasen, auch vier Zyklusphasen der Frau, die an Archetypen angelehnt sind.

Wenn die Menstruationsphase beginnt, ist das für gewöhnlich eine Zeit, in der die Frau eher das Bedürfnis hat, sich zurückzuziehen. Viele Frauen erleben am Anfang der Menstruationsphase -das muss nicht der Anfang der Blutung sein- dass die physische Kraft abnimmt. Dass sie müder sind, mehr Schlaf brauchen oder einfach Ruhe. Es ist wunderbar, wenn sie genau dem nachgehen können und den Körper ruhen lassen. Die Energie ist nicht weg, sie ist nach innen gezogen. Die Frau darf darf den neuen Monat erträumen, denn die Menstruationsphase ist der Beginn des Zyklus. Sie ist der Winter. Der Frühling kommt von ganz allein. Und wenn es täglich nur ein zwei Stündchen sind, die sie für sich hat.

Wenn der Frühling kommt, die Präovulationsphase, dann beginnen dynamische Energien im Körper, die konstant sind. Die Emotionen sind konstant. Das Mentale ist total klar und wir haben Lust auf Action. Das heißt, jetzt kann ich das, was ich erträumt habe, die Entscheidungen, die ich vielleicht in meiner Menstruationsphase getroffen habe, auch umsetzen. Ich habe jetzt die Kraft. Was sind meine persönlichen Ziele? Viel tun. Organisieren. Die Frau ist multitaskingfähig.

Die Jahreszeit verändert sich wieder mit der Ovulationsphase (Eisprungphase). Es wird Sommer. Die Frau fließt über und wird weich. Sie hat Lust sich zu verbinden, zu kommunizieren, sich schön zu machen. Da hat man Geduld und sagt „Natürlich Schatz, hebe ich deine Sachen auf!“ *lacht* „Ich dreh auch die Zahnpastatube für dich zu“. Es ist wunderbar, wenn man die Aktion in das Nähren, in das Umsorgen geben kann. Darüber bekommt man Kraft. Auch eine Frau, die erschöpft ist in dieser Zeit, kann da ruhig Kraft hineinlegen und sich vornehmen „Ich mache etwas für jemand anderen“.

Dann kommt der Herbst, die Blätter fallen. Das heißt, die Stimmung kann ebenso in Bewegung geraten, denn die Energie beginnt mit der Prämenstruellen Phase abzunehmen.  Die Hormone verändern sich natürlich auch. Emotional empfinden viele Frauen diese Phase als nicht konstant und auch die physische Kraft nimmt bei den meisten Frauen ab. So Treppenartig. Das heißt, man hat Höhen, in denen man sehr viel Energie hat und dann Tiefphasen. Das sind eigentlich keine Stimmungsschwankungen, es ist eine treppenartige Bewegung. Das ist ganz natürlich.

Der Vorteil dieser Phase ist, dass wir die Möglichkeit haben, die positive Kraft der Inneren Kritikerin zu nutzen und zu schauen: „Möchte ich mein Leben so weiterführen im nächsten Zyklus? So kann man beginnen auszusortieren, um dann in der Menstruationsphase wieder anzukommen und loszulassen. Über den Körper, über die Blutung, aber auch innerlich. Und dann können wir wieder neue Entscheidungen treffen. Eine Frau, die ihre Zyklusphasen lebt, ist ein Geschenk für die Gesellschaft. Nicht, weil sie funktioniert, sondern weil sie sie selbst ist und lebendig.

fragdiefrau: Vielen Dank HeliA.

Mehr zu HeliAs Angebot: www.blissful-healing.de

*Moon Mother: Von Miranda Gray ausgebildete Frauen, die das Womb Blessing anbieten.

Erklärung von Miranda Gray auf YouTube

 

Christine Vollmar-Gova

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Christine Vollmar-Gova ist Künstlerin und Mutter von drei Kindern. Über Kraftbilder und Beratungen hilft sie Menschen ihre Balance und ihr Glück wiederzuentdecken.

fragdiefrau: Wie gehst du beim Malen vor? Hast du ein besonderes Ritual, bevor du anfängst?

Christine: Das ist ein wahnsinnig intuitiver Prozess. Da sagt mir meine innere Stimme „so ich male jetzt“. Da nehme ich immer gerne den Moment, der jetzt da ist. Ich male auch ganz gerne im Chaos, z.B. in einem Gewitter oder mitten im Kindergeburtstag, wenn zwölf rumschreien. Zwölf Kinder rennen herum und das ist ein wahnsinniger Geräuschpegel. Das ist für mich mitten im Leben. Da spüre ich richtig Energie. Da sind Kinder, da ist Leben, da ist das Leben einfach wie es ist. Und wenn ne richtig gute Musik kommt, dann nehme ich die auch mit. Wichtig ist wirklich diese Wahrheit. Wenn mir mein inneres Gefühl sagt „jetzt ist ein guter Zeitpunkt!“ Warum und wieso… an den idiotischsten Tagen oder auch nachts, wenn es keinen Sinn macht, fange ich an zu malen. Und ich mache es nie unter Druck. Also, ich sage jetzt nicht „ich muss jetzt meine Kohle verdienen, ich muss jetzt mein Bild malen“. Dann geht das alles kaputt.

fragdiefrau: Geht das finanziell auf?

Christine: Es geht am besten ohne den Druck. Es hat eine andere Qualität. Es ist dann auch wieder ehrlicher und aus der Freude geschaffen. Wenn ich so male wie ich jetzt male, dann stimmt das Motiv oder die Absicht, denn ich schaffe es aus Spaß heraus. Unter Druck ist das halt was anderes. Da ist nicht halb so viel, nicht ein drittel so viel Energie drin. Das kannst du vergessen. Ich habe nicht viele Bilder versaut, aber ich habe bestimmt fünf Bilder versaut in meiner Malkarriere, während ich vorher dachte „ich habs gleich gewusst“. Da ist es unter Druck entstanden. Meine große Stärke ist die Intuition. Ich weiß eigentlich ziemlich genau in dem Moment, was ich zu tun habe, welche Worte ich wähle und welche Farben ich nehme und dass ich meinen Kopf ausschalte. Der ist mir nur hinderlich. Ich nehme die Farben und dann geht es los. Wie manche es sich vorzeichnen oder ein Konzept haben, das Funktioniert bei mir nicht. Einfach machen. Am besten unlogisch sein. Ich sage immer „Ich drück dann mal den „Idiot-Button“ *lacht*. Es ist wie spielen und dann klappt’s ohne das Getue. Und ich bin ganz glücklich so.

fragdiefrau: Woran erkennst du, dass du wirklich gut mit dir in Kontakt bist?

Christine: Also da gehört auf jeden Fall mal ganz viel Leichtigkeit dazu. Wenn bei mir etwas leicht wird und ich es einfach in einer Selbstverständlichkeit mache, als ob es nichts Besonderes wäre für mich, wenn man sich einfach daheim fühlt und denkt „ah ja, das kann ich ja schon, ich bin daheim in dem was ich jetzt mache“, genau dann bin ich verbunden. Und das ist auch die große Falle. Viele vergessen darin den Wert zu sehen, weil es so leicht geht und mir das so selbstverständlich vorkommt.

fragdiefrau: Und wie motivierst du dich, wenn es mal nicht so leicht geht?

Christine: Echter Kontakt ist Wahrheit und Mitgefühl. Wenn ich Freude am Leben habe und die Geschenke sehen kann, in so Vielem und in jedem Einzelnen, dann bin ich einfach verbunden. Mit den Schattenseiten genauso. Mein Sohn hat mir mal gesagt: „Bei dir scheißt das Pferd doch noch nen Regenbogen“ *lacht*. Das ist es eben nicht. Ich habe die tiefsten Abgründe auch gesehen, aber ich weiß super gut wie man damit zurecht kommt. Da ist das große Ja zum Ganzen, das mich ziemlich schnell wieder in die Freude befördert. Genauso das Ja zu der Scheißseite. Ich bin genauso in Ordnung, wenn es halt mal nicht so läuft. Das darf auch sein. Ich glaube ganz fest daran, dass wir beide Medaillenseiten brauchen und nicht bloß immer die extrem positive Seite. Das hätten wir so gerne, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Ich bin eigentlich ein sehr diplomatischer Typ und ich weiß sehr wohl, was der Andere hören will. Ich habe das Spiel jahrelang mitgemacht und ich habe einfach keine Lust mehr. Ich sage halt einfach das, was für mich wirklich wahr ist, obwohl ich davor ziemlich Angst hatte, aber das geht ganz gut.

fragdiefrau: Was lässt dich so leicht vertrauen?

Christine: Vor allem wenn ich draußen in der Natur bin, in den Bergen, dann kann ich es ganz genau spüren, dass es da mehr gibt. So viel mehr. Was wir uns da für Gedanken machen. Was wir alles machen mit dem NLP und so nem Zeug. Eigentlich ist es so einfach. Wenn es so einen großen super Plan gibt für mich, dann vertraue ich darauf, dass es mich genau dahin führt, wo ich sein soll. Und ich höre endlich auf gegen das zu kämpfen, was jetzt da ist. Dieser blöde Widerstand hört auf und dann wird das Leben leicht. Und so ist es auch bei den Bildern. Ich muss nichts erreichen. Ich habe ja schon alles erreicht. *lacht* Und jeden Tag so viel Fülle und Dankbarkeit. Ich bin voll davon. Ich bin so reich, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Das spiegelt sich in allem wider. Ich bin kein „Braucher“ mehr, sondern eine Gebende. Es ist magisch anziehend, wenn du solche Leute triffst. Ich kenne das auch. Das ist für mich eine große Wahrheit. Da kann ich wirklich gut weiterhelfen mit den Bildern, in der Praxis, durch mein Lachen und durch mein Sein, so wie ich bin. Die Authentizität ist ein großer Pluspunkt.

fragdiefrau: Vielen Dank Christine.

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S-Bahn Geschichten: Kontrolle erster Klasse

Es ist spät, als ich mich entscheide doch noch aus der Wanne zu steigen und zur Party zu fahren. Zu guter Musik auf einem Hausboot tanzen – dafür warte ich auch geduldig auf die nächste S-Bahn, nachdem ich die erste verpasst habe. Ich bin seit 10 Minuten unterwegs, als mich der Kontrolleur um meinen Fahrschein bittet. Gültig und doch nicht genug – zumindest nicht für die erste Klasse. Fragende Blicke. Erste Klasse? Keine Tür mit fetter 1 in Sicht. Es sitzen noch zwei junge Mädels neben mir. Wir sollen uns einen anderen Platz suchen, doch dann fordert er uns auf auszusteigen. Aus ungläubigen Blicken und „Ist das Ihr Ernst?“ entsteht eine Diskussion, die uns zu seinem Kollegen am anderen Ende des Abteils führt. Dieser gibt zu verstehen, dass er mit uns nicht so streng sein soll. Meine Station ist die nächste und ich teile mit, dass ich jetzt aussteige, um die Aufregung zu beenden.

Noch bevor ich drei Schritte machen kann, springt mir der Kontrolleur wutentbrannt vor die Füße und will meinen Ausweis sehen. Ich kann es kaum glauben, drehe mich um und gehe. Er rennt mir hinterher, springt wieder vor mich und brüllt mir lauthals entgegen „Halt! Sie geben mir jetzt sofort ihren Ausweis!“ Meine Kurzschlussreaktion ebenso laut „NEIN!“ Sein Kopf wird hochrot. Ich will wieder gehen, als er mich zurückhält und mir erneut den Weg versperrt. Ich wende mich an seinen Kollegen „Ich habe mich umgesetzt und bin ausgestiegen, jetzt beenden Sie das Theater hier!“ Hilflos gibt er ihm zu verstehen, dass er sich beruhigen soll. Das führt zum Gegenteil. „Ich rufe jetzt die Polizei!“ brüllt er zurück. Der schmächtigere Kontrolleur schiebt noch einen Obdachlosen aus der Tür, bevor die Bahn weiter fährt. Während der Eine die Polizei ruft und sich darüber ärgert, dass die beiden Mädels ungestraft davon kommen, klärt mich der Andere darüber auf, dass er das Recht habe meinen Ausweis zu verlangen. Er bittet mich, seiner Forderung nachzukommen. Ich gebe nach und notiere mir die Personalnummern. Nun beginnt die Diskussion unter Kollegen. „Erspar uns den Aufwand und sag der Polizei, dass sie nicht kommen brauchen. Sie hat dir ihren Ausweis doch schon gegeben“. Vergebens. Wir warten. Der Obdachlose singt „take it easy“ und nimmt der Szene ihren Ernst. Ein paar Minuten später versuche ich die Situation noch einmal ruhig zu klären. „Sie hat dich etwas gefragt. Antworte ihr!“ fordert ihn sein Kollege auf. „Na, dann erzählen sie doch“ wendet er sich wild fuchtelnd zu mir. Nachdem wir uns über den „Moment der Eskalation“ ausgetauscht haben, glaube ich an Parallelwelten. Sein Kollege verdreht die Augen.

Nach etwa einer halben Stunde treffen zwei Polizisten ein.  „Das kann ja mal passieren! Da sollten sie ein bisschen Fingerspitzengefühl bewahren!“ belehrt der Ordnungshüter die beiden Kontrolleure. Es wird als „Missverständnis“ zur Kenntnis genommen. Er drückt mir meinen Ausweis samt 60 € Strafticket in die Hand. Mir wird mitgeteilt, dass ich versuchen könne das Strafticket zu umgehen, wenn ich eine schriftliche Erklärung einreiche und auf die fehlende Tür hinweise. Die Polizisten verabschieden sich.

Ich bin aufgewühlt und teile den beiden mit, wie traurig ich es finde, dass wir uns wegen solcher Lappalien anbrüllen und unsere Zeit vergeuden, während es so viel wichtigere Dinge gibt. Für einen Moment sind wir uns einig. Da greift der schmächtige Kontrolleur plötzlich in die Tasche und drückt mir einen Schein in die Hand. „Es tut mir unendlich leid. Bezahlen Sie einen Teil davon. Vergessen Sie das alles und machen sich jetzt einen schönen Abend“. Der Andere fängt an sich zu rechtfertigen. „Wissen Sie wer Schuld ist an der ganzen Sache?“ Er zeigt auf den Obdachlosen auf der Bank neben uns. „Nur wegen ihm sind wir angerufen worden und haben diese Bahn kontrolliert. Wäre er nicht mit der Bahn gefahren, dann wäre das alles nicht passiert.“ Sein Kollege stimmt ihm zu. Es folgen Erklärungen, weshalb er die Polizei gerufen habe. „Sie wollen mich anzeigen, da muss ich auf Nummer sicher gehen!“ und er fügt in aller Ausführlichkeit hinzu, wie oft er schon beschimpft, angegriffen und angezeigt wurde. Ich mache ihm klar, dass ich kein Interesse an einer weiteren Auseinandersetzung habe und ihn nicht anzeigen werde. Er schaut überrascht und sagt nichts. Schließlich entschuldigt auch er sich und kramt in seinen Taschen. Stornieren kann er das Ticket nicht mehr. Er hat kein Geld bei sich und will wissen, wann ich vorhabe es zu bezahlen. „Gut. Wir treffen uns an der Information und ich sorge dafür, dass Sie nichts bezahlen müssen!“ Ich bin überrascht und irritiert. Nach Party ist mir jetzt nicht mehr. Freunde empfehlen mir, ihn anzuzeigen und es schriftlich zu klären.

Erstaunt über diese „Wende“ und in dem Glauben, dass in dieser Situation auch etwas Gutes liegt, fahre ich drei Tage später zum vereinbarten Treffpunkt. Ich warte skeptisch und frage mich, was ich mache, wenn er nicht kommt. Da steht er plötzlich genauso unerwartet vor mir, wie drei Tage zuvor. „Sie haben wohl gedacht, ich komme nicht“ begrüßt er mich und lässt sich nicht davon abbringen mir eine Brezel zu spendieren. Auf dem Weg zum Büro der Deutschen Bahn erzählt er mir, dass er kurz vor der Kontrolle meines Abteils eine heftige Auseinandersetzung hatte und schon sehr aufgebracht war. Er entschuldigt sich mehrmals für sein Verhalten. „Man hat auch mal einen schlechten Tag und macht Fehler.“

Im Büro der DB versucht er den Mann hinter dem Schreibtisch davon zu überzeugen, das Ticket zu stornieren. Es hätte keine 1. Klasse gegeben und ich sei im Recht. Ungläubiges Kopfschütteln. „Es gibt in jedem Zug eine 1. Klasse. Warum haben Sie ihr dann überhaupt ein Ticket ausgestellt?“ Er redet sich um Kopf und Kragen, während ich mich zusammenreißen muss, nicht zu schmunzeln. Sein stockender Erklärungsversuch überzeugt nicht. „Und was sagen Sie dazu?“ werde ich gefragt. Ich erzähle ihm in Kürze von der Diskussion und unserer Einigung, nachdem das Ticket schon im System war. „Das habe ich ja noch nie gehört“. Er ist sichtlich irritiert und holt etwas aus dem Nebenraum. Da steckt mir der Kontrolleur unauffällig einen Schein zu und gibt mir zu verstehen, dass sich weitere Erklärungen nicht lohnen. „Ich habe einen Spielraum von 50 %, das kann ich Ihnen anbieten“ raunt der DB-Mitarbeiter trocken über den Schreibtisch. Ich bezahle das Ticket. Im Hausflur platzt aus meinem „Retter“ heraus „Jetzt bin ich erleichtert! Ich habe mir den Kopf zerbrochen, wie ich das alles klären kann.“ Das war nicht zu übersehen. Wir gehen zurück zum Bahnhof und er verabschiedet sich schmunzelnd. „Sollte ich sie nochmals kontrollieren, dürfen Sie immer erster Klasse fahren“.

Genauso erleichtert, wie genervt von all dem Trubel, frage ich mich, wozu das Ganze gut war. Vielleicht für den Moment in dem die Aggression so schnell verpuffte, wie sie explodierte. Vielleicht für zukünftig gelassenere Kontrollen? „In jeder Sekunde deines Lebens, erschaffst du jede Sekunde deines Lebens“ hat mir mal ein kluger alter Mann zu denken gegeben. Wie gut, dass ich gerade Aikido lerne. 😉

Julia Möhle-Schmidt

www.julia-moehle.de

Julia Möhle-Schmidt ist Yogalehrerin und Heilpraktikerin. Massagen und eine „Wolfsfrauengruppe“ gehören zu ihrem Angebot für Frauen. Jeden Monat gestaltet sie ein Treffen mit Übungen, Bewegungen und Gesang – lebendig und kraftvoll. Ich habe selbst teilgenommen und bin immer wieder überrascht wie schnell ein vertrautes Miteinander entsteht.

fragdiefrau: „Wolfsfrauengruppe“ klingt sehr wild. Wie ist diese Gruppe entstanden?

Julia: Mir wurde das Buch „Die Wolfsfrau“ von Dr. Clarissa Pinkola Estès von einem Coach empfohlen und schon der Titel hat mich sehr angesprochen. Es hat mein innerstes Wesen berührt, etwas wildes verborgenes in mir und ich habe mich selbst in den Geschichten erkannt. In einer Nacht träumte ich dann davon, dass ich eine Frauengruppe leite und habe mich mit dem Buch in der Hand in einem Kreis von Frauen gesehen. Von der Idee habe ich dir erzählt und du hast mich dazu animiert, es in die Tat umzusetzen. 😉 So ist die Wolfsfrauengruppe entstanden.

fragdiefrau: Wie gestaltest du deine Gruppe?

Julia: Ich kreiere einen Raum, in dem ein offener, lebendiger und echter Austausch unter den Frauen stattfinden kann – durch Bewegung, Begegnung, Berührung und Kontakt. Es geht mir darum, die Frauen -mich eingeschlossen- näher zu sich selbst, zu ihrer wahren, wilden und zugleich sanften Weiblichkeit zu führen und vor allem darf dies mit Leichtigkeit und purer Freude geschehen.

fragdiefrau: Wie sieht eine deiner liebsten Übungen genau aus?

Julia: Es gibt viele kraftvolle Übungen. Am kraftvollsten sind oft die Unscheinbarsten, in denen gar nicht viel geredet wird. Die Übungen können so unterschiedlich sein. Mal geht es um Kontakt und Kommunikation, mal um Zuhören oder um Ausdruck von Gefühlen und Energien, die in uns schlummern. Sie werden total unterschiedlich erfahren. Das hängt auch davon ab, mit wem ich diese Übung mache und wo meine eigenen Blockaden oder Begrenzungen liegen. Eine Übung in Worten zu beschreiben ist schwer, da sie oftmals sehr persönlich erlebt wird und eine Beschreibung eben keine direkte Erfahrung ist. Das durfte ich beim Awakening Women Training* auch erfahren. Vor manchen Übungen dachte ich „Was soll das bringen?“ und hinterher habe ich gespürt, dass sie mich in eine sehr intensive und kraftvolle Erfahrung geführt haben und sich in mir ganz viel alter vergessener Schmerz lösen durfte.

fragdiefrau: Wie beobachtest du den Kontakt unter Frauen in deiner Gruppe?

Julia: Durch den Kontakt, die Begegnung und die offene echte Kommunikation entsteht ganz viel Nähe unter den Frauen. Ein Gefühl der Geborgenheit, Verbindung, des so Angenommenseins und damit auch Herzoffenheit. Oft kommen Frauen zusammen, die sich untereinander nicht kennen. In der Gruppe verwandeln sie sich zu Verbündeten, zu Schwestern.

fragdiefrau: Danke Julia.

* Das „Awakening Women Training“ ist ein Angebot des Awakening Women Insituts und basiert auf der Lehre von Chameli Ardagh.

fragdiefrau Adventskalender

fragdiefrau_Adventskalender

Dieses Jahr geht’s um Kontakt, Verbindung, Begegnung.

24 Türchen gefüllt mit:

Musik, Kunst, Film- und Foto-Projekten
Frauengeschichten, Frauengruppen,

Adressen und Tipps rund um die Frage:

Wie gehen Frauen in Kontakt?

Von Frau zu Frau
von Frau zu Mann
von Frau zu Kind
mit sich allein
in Gruppen…

Wie begegnest du deinem Gegenüber?

Wann ist Kontakt ‚echt‘?

Wann fühlst du dich verbunden?
Viel Spaß!